»Ich kenne meine Rechte«

Impressionen vom Fachtag in einfacher Sprache am 5. Mai

von: RENATE HILLA-ZUR HORST

xMit der Arbeit an dem Kiez-Atlas »Pankower Lieblings-Orte begann alles. Mit dem Kiez-Atlas für alle« zog das Thema »Inklusion« in die Stadtteilzentren in Pankow ein. Es folgten die zweite Auflage des Pankower Kiez-Atlas‘ und der Kiez-Atlas »Mittendrin in Weißensee«. Im letzten Jahr bot der Fachtag »Inklusion in Pankow« am 13. März 2014 die Gelegenheit, die Arbeit inklusiver Projekte vorzustellen und sich gegenseitig zu weiteren Projekten zu inspirieren. Die alltägliche Arbeit der Stadtteilzentren wurde einer Prüfung unterzogen unter den Fragestellungen: Wie weit ist die Einrichtung barrierefrei, wie gut erkennbar führt das Wegeleitsystem durch das Haus und welche inklusiven Kurse gibt es bzw. könnten angeboten werden.

Mehr Informationen über die eigenen Rechte
Bei der Beschäftigung mit diesen Fra- gestellungen wurde deutlich, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten häufig nicht wissen, was die UN-Behindertenrechtskonvention ist, was »Inklusion« bedeutet, welche Rechte sie haben und wie bzw. wo sie diese einfordern kön- nen.

Das führte schließlich zur Planung und Durchführung der Fachtagung in einfacher Sprache »Ich kenne meine Rechte« am 5. Mai 2015 als gemeinsame Veranstaltung des Stadtteilzentrums am Teutoburger Platz, des Stadtteilzentrums Pankow, des Paritätischen LV Berlin e. V. und des Bezirksamts Pankow.

Konzeptionell war es den Veranstaltern ein Anliegen, dass die Tagung sowohl bei der Moderation als auch in den Arbeitsgruppen im Tandem, das heißt sowohl mit Menschen ohne Behinderung als auch mit Selbstvertreterinnen und -vertretern durchgeführt wurde. Dr. Gabriele Schlimper, stellvertretende Geschäftsführerin des Paritätischen, erinnerte an die ersten Schritte der Pankower Projekte, die Kiez-Atlanten, und daran, dass die Entwicklung der Stadtteilzentren hin zu inklusiven Orten seit 2011 von nunmehr bekannten Gesic tern begleitet wird. Sie forderte die Teilnehmer auf, diese Orte als Treffpunkte für sich zu nutzen und bei der Gestaltung der Programme der Stadtteilzentren mitzuwirken.

Ein symbolisches Datum gewählt

Reinald Purmann, Referent für Behindertenhilfe des Paritätischen, ging auf das aktuelle Datum, den 5. Mai als Eu- ropäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ein. Der 1992 von Interessenvertretungen Selbst- bestimmt leben Deutschland (ISL) initiierte Aktionstag wurde auf diesen Tag gelegt, der gleichzeitig Europatag ist, um deutlich zu machen, dass es in Europa für die Gleichstellung behinderter Men- schen zu kämpfen gilt und man sich dafür einsetzen muss, rechtliche Grundlagen hierfür zu schaffen.

Ulrike Pohl vom Verband für sozialkulturelle Arbeit e. V. stellte die UN-Behindertenrechtskonvention vor und erläuterte, dass es sich hierbei um Menschenrechte handelt. An einigen Beispielen aus Bereichen des alltäglichen Lebens zeigte sie auf, um welche Rechte es geht und was dies im Einzelnen für die Menschen mit Behinderung bedeutet. Mit Hilfe roter Karten hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die Beiträge für Verständlichkeitsfragen zu unterbrechen. Dies wurde von den Teilnehmenden rege genutzt. Die zahlreichen Nachfragen und Einwürfe machten den großen Bedarf an Austausch und Information seitens der Teilnehmerinnen und Teilnehmer deutlich.

Was braucht es für mehr Inklusion im Alltag?
Anschließend konnten sich die knapp 100 Anwesenden zu Themen der UN-Behindertenrechtskonvention austauschen, Fragen aufwerfen und Perspektiven aufzeigen. Den Rahmen bildeten folgende Arbeitsgruppen:

· Arbeit (Anna Harm, Patrick Marx/ GETEQnueva)

· Freizeit (Norbert Herrscher, Enrico Schulz/ Kompetenzzentrum Inklusion Pankow

· Wohnen (Ira Freigang, Tilo Heller/ Stadtteilzentrum Pankow)

· Mitbestimmung in Gruppen (Ann-Kathrin Laschewski, Vitoria Zower/ berliner STARThilfe e. V.)

· Sexualität und Partnerschaft ( Kay-Alexander Zipp/ lamda e. V.)

Die Teilnehmenden besprachen täglich erlebte Herausforderungen und Hemmnisse, äußerten ihre Wünsche und Forderungen und zeigten auf, was nötig ist, um selbstbestimmte Teilhabe aller Menschen zu schaffen und zu gestalten.

Zwischendurch auch mal abschalten

»Verschnaufpausen« bot die Film- Lounge. Zu sehen waren hier der Dokumentarfilm »Wer wagt, gewinnt« und ein kleiner Film zum Thema Inklusion, der an der Regine-Hildebrandt-Schule in Birkenwerder gemeinsam mit Schüle- rinnen und Schülern hergestellt wurde. Das Kreativangebot »Button gestalten« nahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ebenfalls gerne an, um nach re- gen und teilweise aufwühlenden Diskussionen den Kopf wieder frei zu bekommen.

Zum Ende der Veranstaltung hatten Detlef Thormann, Behindertenbeauftragter Pankow, und Dominik Peter, stellv. Vorsitzender des Behindertenbeirates von Pankow, die Gelegenheit, sich und ihre Arbeit vorzustellen, und standen den Anwesenden Rede und Antwort. Die Arbeitsgruppen-Ergebnisse bzw. Wünsche und Forderungen wurden ihnen feierlich übergeben. Den kulturellen Abschluss der Veranstaltung bot der Pianist Olaf Garbow mit seinem »Inklusionssong«, der zu einer ausgelassene Atmosphäre am Ende der spannenden und anregenden Veranstaltung beitrug.